Textilien

Welche Kennzeichnungspflichten gibt es für Textilien?

Wenn Sie in Ihrem DaWanda-Shop Textilerzeugnisse anbieten, müssen Sie ihre Kunden darüber informieren, aus welchen textilen Rohstoffen Ihr Produkt besteht. Die europäische Textilkennzeichnungsverordnung (EU-TextilKennzVO) enthält hierzu eine Vielzahl detaillierter Kennzeichnungspflichten.

Textilerzeugnisse

Textilerzeugnisse im Sinne der EU-TextilKennzVO sind Waren, die zu mindestens 80 % ihres Gewichts (oder des Gewicht der aus Stoff bestehenden Teile), aus textilem Rohstoff hergestellt sind. Textile Rohstoffe sind Fasern, die sich verspinnen oder zu textilen Flächengebilden (Stoffen) verarbeiten lassen. Zu den Fasern zählen sowohl natürliche (z.B. Baumwolle, Flachs, Seide, Haare) als auch künstliche (z.B. Polyester).

Im Gegensatz zum früher geltenden Textilkennzeichnungsgesetz müssen jetzt auch Filzprodukte gekennzeichnet werden.

Anbringung der Information

Um die Kennzeichnungspflicht zu erfüllen, müssen die erforderlichen Informationen sowohl in der Produktbeschreibung im Online-Shop enthalten sein als auch direkt im oder am Produkt selbst (z.B. als Etikett oder Aufdruck). Wenn Sie Stoff als Meterware verkaufen, braucht der verkaufte Stoffabschnitt selbst nicht etikettiert zu sein; anstelle eines Etiketts muss die Lieferung dann aber eine Rechnung, einen Lieferschein oder ein sonstiges Begleitdokument mit den Angaben der Textilkennzeichnung enthalten.

Kennzeichnungsinhalt

Die EU-TextilKennzVO enthält einen Katalog von zulässigen Materialnamen (Anhang I der Verordnung). Nur diese Materialnamen dürfen Sie verwenden. Fantasiebezeichnungen („Flauschfaser“, „Kuschelstoff“) kommen für das Etikett also nicht in Frage. Abkürzungen der amtlichen Bezeichnungen sind ebensowenig erlaubt.

Hier finden Sie die → Liste mit allen zulässigen Faserbezeichnungen.

Die Rohstoffgehaltsangaben sind in Gewichtsprozenten anzugeben, und zwar bezogen auf das Gewicht des textilen Teils des Produktes. Wenn also ein Produkt zum Beispiel noch Bestandteile (Applikationen) aus Glas oder Metall enthält, werden diese in das Gesamtgewicht nicht einbezogen.

Besteht das Produkt aus mehreren verschiedenen Fasern, sind diese in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteiles aufzuführen, d.h. die Faser mit dem größten Anteil ist immer zuerst zu nennen.

Wenn nur eine einzige Faserart verwendet wird, darf statt der Angabe „100%“ der Zusatz „rein“ oder „ganz“ verwendet werden.

Die früher geltende Regelung, dass Fasern mit einem Anteil von 15% oder weniger nicht mehr genau aufgeführt werden müssen, ist durch die EU-TextilKennzVO aufgehoben worden. Jetzt müssen also alle Fasern mit ihrem Gewichtsanteil angegeben werden.

Die Textilkennzeichnung muss am Produkt so angebracht sein, dass sie „dauerhaft, sichtbar, zugänglich und leicht lesbar“ ist (§ 14 EU-TextilKennzVO). Das Schriftbild muss „in Bezug auf Schriftgröße, Stil und Schriftart einheitlich“ sein (§ 16 EU-TextilKennzVO).

Die Textilkennzeichnung muss in derjenigen Amtssprache abgefasst sein, die für das Land Ihres Käufers gilt. Wenn Sie die Textilie also nur deutschen oder österreichischen Käufern anbieten, genügt die Kennzeichnung auf deutsch. Wenn Sie aber auch nach Frankreich liefern wollen, müssen Sie zusätzlich die französischen Fasernamen aufführen. . Das gilt nicht nur für das Etikett, sondern auch für die Produktbeschreibung im Online-Shop.

Herkunftshinweis

Es besteht keine Pflicht, den Käufer auf die Herkunft der Textilie („Made in China“) hinzuweisen oder eine Pflegekennzeichnung (Wasch- oder Bügeltemperatur, Trocknereignung) hinzuzufügen. Wenn man eine solche verwendet, sollte man sich aber an die üblichen Symbole halten.

Ausnahmen

Einige Produkte müssen nur im Online-Shop gekennzeichnet werden, aber nicht zusätzlich an der Ware. Dazu gehören unter anderem Gürtel, Haarnetze, Lätzchen und Hosenträger. Näheres ergibt sich aus dem Anhang VI der EU-TextilKennzVO.

Es gibt auch Produkte, die von der Kennzeichnungspflicht vollständig ausgenommen sind, z.B. kleine Hüllen für Mobiltelefone (bis zu einer Oberfläche der Hülle von 160 Quadratzentimetern), Stoffblumen, gebrauchte Kleidung, Etuis (für Brillen, Zigaretten und Feuerzeuge), Uhrenarmbänder und Spielzeug. Einzelheiten sind im Anhang V der EU-TextilKennzVO aufgeführt.

Beispiel

Maxie verkauft selbstgenähte Röcke, die aus Baumwolle, Leinen und etwas Seide bestehen und mit einigen Metallapplikationen versehen sind. Der Baumwollanteil wiegt 300 Gramm, der Leinenanteil 80 Gramm, der Seidenanteil 20 Gramm, die Applikationen wiegen 40 Gramm.

Maxie müsste ihre Röcke im DaWanda-Shop und auf dem Etikett oder Aufnäher also wie folgt kennzeichnen:

75 % Baumwolle 20 % Leinen 5% Seide

Rechtsnormen Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 vom 27. 9. 2011 mit Wirkung ab 8. 5. 2012 Die Verordnung ist mit den Anhängen als PDF im Internet abrufbar unter http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:272:0001:0064:DE:PDF