Temporäre Umsatzsteuer-Senkung ab Juli 2020

Inhalt der Regelung

Onlineshop, Rechnung, Umsatzsteuer-Senkung zum Juli 2020, Kleinunternehmer

Der Gesetzgeber hat am 29. Juni 2020 das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz verabschiedet. Ein Bestandteil des Gesetzespakets ist es, die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) befristet zu senken. Der reguläre Steuersatz sinkt dabei von 19 % auf 16 %, der reduzierte Steuersatz von 7 % auf 5 %. Die reduzierten Steuersätze gelten vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020. Diese Steuersenkung müssen auch alle Online-Händler beachten, die der Umsatzsteuer unterliegen.

Warum ist diese Information für Sie wichtig?

Auch wir wissen: Die zeitweilige Steueränderung wird von den Handelsverbänden kritisch gesehen und bedeutet für viele Unternehmer einen erheblichen Mehraufwand - während der Nutzen ungewiss ist.

Natürlich haben Sie eigentlich gerade besseres zu tun. Trotzdem sehen wir uns in der Pflicht, Sie auf die nötigen Schritte hinzuweisen, denn die Änderungen zu ignorieren wäre nicht ratsam:

Eine fehlerhafte Preisangabe in Verkaufsangeboten (sei es in Ihrem eigenen Onlineshop, auf einem elektronischen Marktplatz oder in Angeboten, die Sie über Social Media verbreiten) kann einen Abmahngrund darstellen. Darüber hinaus kann das Ausstellen fehlerhafter Rechnungen als Ordnungswidrigkeit verfolgt und mit einem Bußgeld geahndet werden.

Gehen Sie daher kein Risiko ein, und nehmen Sie sich etwas Zeit, um sich auf die hier beschriebenen Änderungen einzustellen.

Senkung der Umsatzsteuer: Erforderliche Änderungen in Onlineshops

Wenn Sie einen Onlineshop betreiben, müssen Sie die Senkung der Umsatzsteuer in der Regel an verschiedenen Stellen berücksichtigen. Hier erklären wir Ihnen, worauf Sie achten müssen.

Änderung des Umsatzsteuersatzes im Onlineshop

Die Preisangabenverordnung (PAngV) verpflichtet Verkäufer, transparent und zutreffend über die Preise einschließlich Steuern und sonstiger Preisbestandteile zu informieren, und zwar vor Abschluss des Kaufvertrags. Das gilt natürlich auch für Onlineshops.

Wo immer also Ihr Onlineshop die bisherigen Steuersätze als Prozentwert anzeigt, müssen Sie diese Anzeige mit Inkrafttreten der gesetzlichen Änderung anpassen, und zwar exakt zu Beginn des Tages (0 Uhr), ab dem die neuen Steuersätze gelten.

Eine Änderung der Prozentsätze mit Wirkung bereits vor dem Stichtag oder erst nach dem Stichtag ist nicht zulässig.

Soweit Ihr Shopsystem es zulässt, können Sie bei den Preisangaben in der Artikelbeschreibung oder in Übersichtsseiten eine allgemeine Formulierung verwenden, die ohne den konkreten Prozentsatz auskommt, z.B. in dieser Art: „Alle Preise inklusive gesetzlicher Umsatzsteuer“. Diese allgemeine Formulierung würde sowohl für die jetzigen als auch für die gesenkten Steuersätze zutreffen, so dass Sie diese nicht zum Stichtag ändern müssten. In den Rechnungen muss der konkrete Steuersatz allerdings immer genannt werden; dort ist keine allgemeine Formulierung zulässig.

Wenn Sie eines unserer Rechtstexte-Pakete für Ihren Onlineshop verwenden, brauchen Sie keine Änderung in den von uns bereitgestellten Texten vorzunehmen. Unsere AGB enthalten aus Gründen der Flexibilität bewusst keine konkret bezifferten Steuersätze, so dass Sie auch keine Zahlen innerhalb der AGB anpassen müssen.

Änderung des Umsatzsteuersatzes auf elektronischen Marktplätzen, Verkaufsplattformen

Anbieter auf elektronischen Marktplätzen (Verkaufsplattformen) müssen darauf achten, in ihrem Verkäuferkonto des Marktplatzes pünktlich zum 1. 7. 2020 die neuen Steuersätze einzustellen, wenn der Marktplatz eine solche Einstellungsmöglichkeit vorsieht. Wird Besuchern des Marktplatzes lediglich ein pauschaler Hinweis angezeigt (z.B. „inkl. Umsatzsteuer, soweit erhoben“), ohne dass der konkrete Prozentsatz im Bestellverlauf oder der Kaufbestätigung angezeigt wird, müssen Verkäufer insoweit auch nichts ändern.

Soweit ein elektronischer Marktplatz feste Steuersätze zur Auswahl durch den Verkäufer vorsieht (0%/7%/19%) und noch keine Anpassung des Marktplatzes in Aussicht gestellt hat, fragen Sie ggf. dort an, ob eine automatische Anpassung zum 1. 7. 2020 vorgesehen ist oder inwiefern Sie als Verkäufer tätig werden müssen.

Wenn Sie eines unserer Rechtstexte-Pakete für Ihre Verkäufe auf Etsy, eBay, Amazon oder für einen der anderen Marktplätze verwenden, brauchen Sie keine Änderung in den von uns bereitgestellten Texten vorzunehmen. Unsere AGB enthalten aus Gründen der Flexibilität bewusst keine konkret bezifferten Steuersätze, so dass Sie auch keine Zahlen innerhalb der AGB anpassen müssen.

Angabe des Umsatzsteuersatzes in Rechnungen

Gemäß § 14 UStG muss jede Rechnung die anzuwendenden Steuersätze (Prozentsätze) nennen, die für die in der Rechnung enthaltenen Waren oder Dienstleistungen gelten. Zuletzt waren dies 19% (Regelsteuersatz) oder 7% (ermäßigter Steuersatz). Bestimmte Leistungen können auch von der Umsatzsteuer befreit sein; auch dies wäre in der Rechnung kenntlich zu machen.

Soweit im zweiten Halbjahr 2020 die reduzierten Steuersätze gelten, müssen Sie diese Sätze in den Rechnungen anpassen; dort müssen dann also „16% Umsatzsteuer“ bzw. „5% Umsatzsteuer“ genannt werden. Wenn Ihr Rechnungsprogramm statt „Umsatzsteuer“ den veralteten Begriff „Mehrwertsteuer“ oder „MwSt.“ benutzt, ist das zwar sprachlich nicht ganz korrekt, aber kein praktisches Problem, solange Sie die Steuer richtig berechnen und abführen.

Weitere Informationen darüber, in welchen Fällen Sie Rechnungen schreiben müssen und welche Bestandteile die Rechnungen haben müssen, finden Sie im Rechtsportal im Beitrag über Ausstellung und Inhalt von Rechnungen.

Tools zur Erstellung von Rechnungen

Verkäufer, die auf einem Marktplatz ein Tool zur automatischen Rechnungserstellung verwenden, müssen (auch) dort die neuen Steuersätze hinterlegen. Entsprechendes gilt, wenn Verkäufer Rechnungstools von Dritten verwenden; dazu gehört z.B. auch die Erstellung von Rechnungen durch Zahlungsdienstleister wie PayPal. Bitte prüfen Sie rechtzeitig vor der Umstellung, wo Sie Anpassungen vornehmen müssen, um vorbereitet zu sein.

Keine Auswirkungen auf Kleinunternehmer (§ 19 UStG)

Wenn Sie Kleinunternehmer sind, ändert sich für Sie praktisch nichts. Da Sie als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer ausweisen, müssen Sie weder den Steuersatz ändern noch den Steuerbetrag anders berechnen. Die Kleinunternehmer-Regelung des Umsatzsteuergesetzes bleibt unverändert.

Auswirkungen für Händler mit Differenzbesteuerung (§ 25a UStG)

Wenn Sie als Händler für die Differenzbesteuerung optiert haben, müssen Sie die jeweils aktuellen Steuersätze in Ihren internen Aufzeichnungen für Ihre Buchhaltung berücksichtigen. Da Sie aber weder den Prozentsatz noch den ausmachenden Betrag der Steuer in Ihren Rechnungen oder im Warenkorb ausweisen, ändert sich in Ihrem Außenauftritt gegenüber den Besuchern Ihres Onlineshops nichts. Warenkorb-Anzeige und Rechnungsinhalte bleiben unverändert.

Detailfragen

Die temporäre Steuersenkung bringt viele Detailfragen mit sich, die in dieser Kurzinformation nicht erörtert werden können. Holen Sie im Zweifel professionellen Rat ein, z.B. bei Ihrem Steuerberater oder bei dem für Sie zuständigen Finanzamt.

Weiterführende Hinweise

Rechtsnormen
§§ 14, 14b, 15 Umsatzsteuergesetz (UStG)
§ 33 Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV)