Die Künstlersozialversicherung

Für welche DaWanda-Verkäufer ist die Künstlersozialversicherung zuständig? Wer ist zur Künstlersozialabgabe verpflichtet?

Über die Künstlersozialkasse (KSK) können sich selbständige Künstler und Publizisten kostengünstig in den gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenkassen versichern lassen. Mitglieder der KSK zahlen ihre Versicherungsbeiträge direkt an die KSK, wobei deren Beiträge deutlich unter den regulären Tarifen liegen, die man sonste in der gesetzlichen Versicherung zu zahlen hätte. Die KSK stockt die gezahlten Beiträge um einen mit dem Arbeitgeberbeitrag vergleichbaren Teil auf und leitet die Summe an die zuständigen Versicherungsträger weiter. Auf diese Weise können sich auch Künstler mit geringem Einkommen kostengünstig versichern, ohne Abstriche bei den Versicherungsleistungen zu erleiden.

Als DaWanda-Verkäufer haben Sie mit der KSK entweder dann zu tun, wenn Sie selbst pflichtversicherter Künstler sind und daher Versicherungsbeiträge an die KSK zahlen müssen (siehe dazu 1.)

Oder aber Sie stehen als DaWanda-Verkäufer auf der Auftraggeberseite eines Künstlers – wenn Sie z.B. einen Grafikdesigner mit der Gestaltung eines Produkts beauftragen, mit dem Entwurf einer Verpackung oder eines Firmenlogos. Wenn Sie solche Aufträge regelmäßig vergeben, müssen Sie an die KSK eine Künstlersozialabgabe zahlen. Die Abgabe erfüllt den Zweck eines „Arbeitgeberanteils“ zur Sozialversicherung des Künstlers (siehe dazu 2.)

1. Die Pflichtversicherung der Künstler: Mitgliedschaft und Beiträge

Versicherungspflicht in der KSK besteht für alle selbständigen Künstler, die sich auf Dauer zum Gelderwerb künstlerisch betätigen. Mindestens 3.900 Euro im Jahr muss das Einkommen betragen, damit die KSK den Versicherungsschutz gewährt. In den ersten drei Jahren nach erstmaliger Aufnahme der künstlerischen Tätigkeit gibt es den Versicherungsschutz in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung auch bei geringerem Einkommen.

Als Einkommen gilt die Differenz aus Betriebseinnahmen und -ausgaben. Das Einkommen aus künstlerischer / publizistischer Tätigkeit entspricht im Regelfall den „Einkünften aus selbständiger Arbeit“ im Einkommensteuerbescheid.

Die KSK ist selbst keine Krankenkasse oder Krankenversicherung, auch keine Rentenversicherung oder Pflegeversicherung, sie verwaltet lediglich die eingehenden Beiträge der Versicherten und führt diese – wie ein Arbeitgeber – an die zuständigen Versicherungsträger ab. Den Beitragsbescheid erhält man von der KSK. Als Mitglied der KSK sind Sie in der Wahl der Krankenversicherung frei. Die Befreiung von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht ist in gleicher Weise wie bei Arbeitnehmern möglich. Zur Aufnahme in die KSK lassen Sie sich von Ihrer bestehenden oder zukünftigen Krankenkasse eine Mitgliedbescheinigung nach § 175 SGB V ausstellen und legen Sie diese der KSK vor.

Die zu entrichtenden Beiträge hängen wie bei Arbeitnehmer von verschiedenen Faktoren ab (z. B. vom jeweiligen Gewinn, den Beitragssätzen der verschiedenen Versicherungszweige, Elterneigenschaft ja oder nein etc.). Zentral ist das voraussichtliche Jahreseinkommen. Dieses wird jährlich von dem Versicherten im Voraus geschätzt. Dabei kommt es auf den aus der selbständigen künstlerischen Tätigkeit voraussichtlich erzielten Gewinn an.

Wird die künstlerische Tätigkeit neben einer hauptberuflichen Beschäftigung ausgeübt, so gilt:

  1. in der Kranken- und Pflegeversicherung besteht keine Versicherungspflicht über die KSK, wenn aufgrund der Hauptbeschäftigung schon Versicherungspflicht besteht;
  2. in der Rentenversicherung besteht in der Regel Versicherungspflicht, solange das Einkommen aus der Hauptbeschäftigung die Hälfte der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung unterschreitet;
  3. Beamte und andere von der Versicherungspflicht befreite Personen werden nicht in der Künstlersozialversicherung versichert.

2. Wichtig zu wissen für DaWanda-Verkäufer als Auftraggeber: Die Künstlersozialabgabe

Wer einem Künstler „nicht nur gelegentlich“, sondern häufiger Aufträge erteilt, z.B. für die Gestaltung von Produktdesigns, Verpackungen, Webseiten, Werbung oder Geschäftsunterlagen wie Briefbögen oder Logos, nimmt eine ähnliche Rolle ein wie ein Arbeitgeber. In dieser Rolle ist der Auftraggeber verpflichtet, an die KSK eine Abgabe zu zahlen – die Künstlersozialabgabe.

Wenn Sie also als DaWanda-Verkäufer einen Shop aufbauen und für die Webgestaltung oder für Ihre Geschäftsausstattung längerfristig mit einem Designer zusammenarbeiten, können Sie zur Zahlung der Künstlersozialabgabe verpflichtet sein. Das wäre auch der Fall, wenn Sie regelmäßig Werbeflyer erstellen lassen, um sie auf Messen zu verteilen oder per Post an Ihre Kunden schicken.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die beauftragten Künstler selbst in der Künstlersozialkasse versichert sind. Wird die künstlerische Leistung aber von einer juristischen Person (z.B. einer GmbH, KG oder AG) erbracht, entfällt die Abgabepflicht.

Wo die Grenze zwischen einer „gelegentlichen“ (abgabefreien) Beauftragung und „nicht nur gelegentlichen“, also häufigeren und damit abgabepflichtigen Beauftragung liegt, ist gesetzlich nicht eindeutig geregelt. Die Künstlersozialkasse geht von einer „nicht nur gelegentlichen“ Auftragserteilung aus, wenn eine „gewisse Regelmäßigkeit oder Dauerhaftigkeit“ und ein „nicht unerhebliches wirtschaftliches Ausmaß“ der Beauftragung vorliegt. Dabei kann es sowohl auf das Volumen als auch auf die Häufigkeit der Aufträge in einem Zeitraum ankommen. Ein einziger, aber umfangreicher Auftrag, der sich aus einer Mehrzahl von künstlerischen Einzelleistungen zusammensetzt, kann somit bereits zur Abgabepflicht führen.

Wenn Sie innerhalb eines Jahres mehrere Aufträge an Künstler erteilen oder einen besonders großen, empfehlen wir Ihnen, bei der Künstlersozialkasse anzufragen, ob Sie im gegebenen Fall abgabepflichtig sind. Anhand Ihrer konkreten Angaben wird man Ihnen Auskunft geben können.

Wer abgabepflichtig ist, zahlt die Künstlersozialabgabe wie einen Arbeitgeberanteil auf die Künstlerhonorare. Die Abgabe beträgt zur Zeit (September 2010) 3,9% des gezahlten Nettohonorars, also des Rechnungsbetrags der Künstlers ohne etwaig enthaltene Umsatzsteuer. Zum Honorar zählen auch alle Nebenkosten, z.B. Material- und Telefonkosten.

Die Abgabe ist in der Rechnung des Künstlers noch nicht enthalten. Sie muss vom Auftraggeber zusätzlich gezahlt werden, und zwar direkt an die KSK. Damit die KSK die Abgabe berechnen kann, muss jeder Abgabepflichtige bis 31. März eines Jahres der KSK mitteilen, welche Beträge er im Vorjahr an die beauftragten Künstler gezahlt hat. Auf dieser Basis erstellt die KSK dann den Abgabebescheid an den Auftraggeber.

Beide Varianten hängen von der Frage ab, was unter einem „Künstler“ im Sinne der Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG) zu verstehen ist. Nach der Rechtsprechung ist in Zweifelsfällen, z.B. für die Abgrenzung zwischen einer künstlerischen und kunsthandwerklichen, darauf abzustellen, wer in den einschlägigen fachkundigen Kreisen als Künstler anerkannt und als solcher behandelt wird. Diese Anerkennung zeigt sich etwa in der Mitgliedschaft in künstlerischen Berufsverbänden oder in der Teilnahme an Ausstellungen. Auf den künstlerischen Wert der Tätigkeit kommt es nicht an. Die KSK gibt selber einen „Künstlerkatalog“ heraus, der als Orientierungshilfe dienen soll. So werden z.B. Designer, Fotografen, Fotodesigner, Grafiker oder Web-Designer als Künstler in die KSK aufgenommen. Einzelheiten dazu erläutert auch der Rechtsportal-Artikel über die Unterscheidung zwsichen gewerblicher und künstlerischer Tätigkeit.

Beispiele

Maxie als Künstlerin

Maxie Mustermann ist angestellte Verkäuferin in Vollzeit. In Ihrer Freizeit fotografiert sie leidenschaftlich und lässt ihre Naturfotografien auf Leinwand drucken. In ihrem DaWanda-Shop erzielt sie mit ihren Arbeiten einen Gewinn von 2.800 Euro im ersten Jahr. Im Folgejahr gibt sie ihre Anstellung auf, konzentriert sich auf das Fotografieren und erzielt damit 6.500 Euro.

Da Maxie als angestellte Verkäuferin bereits als Arbeitnehmerin sozialversichert ist, besteht für sie im ersten Jahr keine Versicherungspflicht in der Künsterlersozialkasse. Im Folgejahr ist sie als selbständige Künstlerin im Sinne des Künstlersozialversicherungsgesetzes tätig und übertrifft die Grenze von 3.900 Euro. Daher wird sie Pflichtmitglied in der KSK. Ihre bisherige Krankenkasse behält Maxie – nur werden die Beiträge jetzt von der KSK erhoben.

Maxie als Auftraggeberin

Maxie Mustermann stellt Taschen aus Lkw-Planen her. Im Januar beauftragt sie einen selbständigen Grafikdesigner mit dem Entwurf eines Markenlogos für die neue Taschenserie. Der Grafikdesigner soll auch das Layout des DaWanda-Shops regelmäßig pflegen: Zukünftig soll der Shop zweimal im Jahr einen neuen Anstrich bekommen – für die Frühjahrs- und die Herbstkollektion. Für den Logo-Entwurf zahlt sie ein Honorar von 1.500 Euro netto, für das Re-Design ihres DaWanda-Shops zwei mal 300 Euro netto. Außerdem beauftragt Maxie einen Fotografen, ihre Taschen professionell in Szene zu setzen. Für drei Fototermine zahlt sie dem Fotografen jeweils 200 Euro, insgesamt 600 Euro netto.

Maxie Mustermann hat über das Jahr sechs Einzelaufträge mit einem Wert von insgesamt 2.700 Euro vergeben. Das übersteigt eine „nur gelegentliche“ Beauftragung. Maxie muss der KSK daher bis Ende März des Folgejahres ihre Zahlung von 2.700 Euro mitteilen. Von der KSK erhält sie dann einen Beitragsbescheid über 105,30 Euro. Diesen Betrag muss sie der KSK überweisen. Das ist Maxis Beitrag zur Sozialversicherung ihrer Auftragnehmer.

Rechtsnormen §§ 1-8a, 24-26 Gesetz über die Sozialversicherung der selbständigen Künstler und Publizisten (Künstlersozialversicherungsgesetz, KSVG)