Datenschutzkonforme Tools: Unsere Empfehlungen
DSGVO-konform? Das steht inzwischen auf fast jeder Tool-Webseite. Doch wo „DSGVO-konform" draufsteht, ist längst nicht immer DSGVO-konform drin. Oft handelt es sich nur um einen Marketing-Slogan – und das Risiko trägst am Ende du. Deshalb haben wir in diesem Artikel für dich eine kuratierte Liste datenschutzkonformer Tools zusammengestellt. Ob Webhosting, Newsletter-Versand, Dateiablage oder Buchhaltung: diese Anbieter sind nach unserem aktuellen Kenntnisstand rechtlich sauber aufgestellt sind und haben sich in der Praxis bewährt.
Warum DSGVO-konforme Tools?
Als Online-Unternehmer weißt du: Du musst dich an die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) halten. Nicht nur das – du bist auch dafür verantwortlich, dass alle Tools, die in deinem Auftrag Daten deiner Nutzer verarbeiten, ebenfalls DSGVO-konform arbeiten. Das betrifft zum Beispiel:
- Webhoster (verarbeiten IP-Adressen)
- Newsletter-Tools (verarbeiten Namen und E-Mail-Adressen)
- Videokonferenz-Tools
Das Problem: Die Verantwortung für die Daten deiner Nutzer liegt bei dir. Wenn du nicht sicherstellst, dass ein Tool wirklich DSGVO-konform ist, kannst du dafür haftbar gemacht werden. Für Laien ist das nur schwer nachprüfbar und obwohl viele Tools mit "DSGVO-konform" werben, stimmt dies leider allzu oft einfach nicht.
Was bedeutet „DSGVO-konform" bei Tools überhaupt?
Ein Tool ist nicht „automatisch" DSGVO-konform. Entscheidend sind u. a.:
-
Serverstandort & Datenübermittlung
Idealerweise EU / EWR. Drittlandübermittlungen nur mit zulässiger Rechtsgrundlage (Art. 44 ff. DSGVO). -
Auftragsverarbeitung (AV-Vertrag)
Pflicht nach Art. 28 DSGVO, wenn das Tool personenbezogene Daten für dich verarbeitet. -
Transparenz & Sicherheitsmaßnahmen
Technische und organisatorische Maßnahmen (Art. 32 DSGVO), klare Datenschutzerklärung, kein Handel mit Daten & Transparenz.
Genau hier scheitern viele populäre Tools – auch wenn sie anderes behaupten.
Empfohlene datenschutzkonforme Tools – nach Einsatzbereich
Unsere Rechtsanwälte haben eine Reihe an Tools anhand zentraler Datenschutz-Kriterien bewertet. Diese Lösungen empfehlen wir auch unseren Mandanten, damit sie rechtskonform arbeiten können. Die Auswahl ist unabhängig, es handelt sich nicht um Werbung oder Kooperationen.
Buchhaltung
Diese Tools eignen sich für die laufende Buchhaltung und Rechnungsstellung:
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Lexware (lexoffice)
Deutscher Anbieter, Serverstandorte in Deutschland, AV-Vertrag verfügbar.
Geeignet für klassische Buchhaltung, Lohn & Steuer-Vorbereitung. -
sevDesk
Cloud-basiert, DSGVO-konform einsetzbar, gute Schnittstellen für Selbstständige.
Besonders beliebt bei kleinen Unternehmen. -
Papierkram
Fokus auf einfache Buchhaltung und Rechnungen für Selbstständige und Kleinunternehmer.
Datenverarbeitung in der EU, klarer AV-Vertrag. -
Sage
Etablierter Anbieter mit umfangreichen Business-Lösungen.
DSGVO-relevante Dokumentation vorhanden, eher für wachsende Unternehmen.
Videokonferenzen & Online-Meetings
Für Coachings, Beratungen und interne Meetings geeignet:
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OpenTalk
Open-Source-basiert, Server in Deutschland, sehr hohe Datenschutzstandards.
Besonders geeignet für sensible Gespräche. -
BBBServer
Hosting von BigBlueButton auf deutschen Servern.
Gute Lösung für Online-Trainings & Kurse. -
alfaview
Deutscher Anbieter, DSGVO-konform nutzbar, AV-Vertrag vorhanden.
Viele praktische Features wie Whiteboard oder Warteraum.
Daten ablegen & speichern (Dateien, Notizen, Kundenlisten)
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mailbox.org
Umfangreiche Lösung für E-Mail, Cloud-Speicher, Office-Funktionen, Adressbuch & Kalender, Videokonferenzen, Server in Deutschland. -
Proton Drive
Cloud-Speicher, Docs & Sheets, hoher Datenschutzstandard.
Sitz in der Schweiz (DSGVO-angemessenes Datenschutzniveau). -
filen.io
Dateiablage, Dateifreigabe, Notizen, Chats.
Starke Verschlüsselung, AV-Vertrag verfügbar.
Online-Office-Pakete
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mailbox.org
Text- und Tabellenbearbeitung ohne US-Tracking. -
CryptPad
Open-Source-Lösung für Office Funktionen, Präsentationen, Code.
Gut für kollaboratives Arbeiten ohne Datenschutz-Bauchschmerzen.
Link-in-Bio / Linkbaum
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Wonderlink
Deutscher Anbieter, DSGVO-konform nutzbar, saubere Einbindung.
Geeignet für Instagram, LinkedIn & Co.
E-Mail-Provider
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Posteo
Fokus auf Sicherheit & Nachhaltigkeit, keine Tracker, Server in Deutschland. -
mailbox.org
Siehe oben – vielseitig und rechtlich solide. -
Proton Mail
Verschlüsselte Kommunikation, DSGVO-konform einsetzbar. -
WEB.DE
Deutscher Anbieter, datenschutzrechtlich vertretbar bei korrekter Konfiguration, ziemlich werbelastig.
Webhosting
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netcup
Serverstandorte in Deutschland, AV-Vertrag verfügbar. -
STRATO
Großer deutscher Anbieter, DSGVO-konforme Basis für Websites & Shops.
Newsletter-Tools
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rapidmail
Deutscher Anbieter, DSGVO-konform nutzbar, ideal für Einsteiger. -
Brevo
EU-Anbieter mit umfangreichen Funktionen, flexible Marketing-Automationen.
Terminbuchung
Aktuell keine datenschutzrechtlich saubere Empfehlung aus unserer Prüfung.
Viele Termin-Tools übertragen Daten in Drittländer oder haben problematische Tracking-Integrationen.
Alternative:
Manuelle Terminvereinbarung per datenschutzkonformer E-Mail-Adresse (siehe unten) oder eigene Self-Hosted-Lösungen.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
Marketing-Versprechen ersetzen keine Prüfung
Der häufigste Fehler ist, sich auf das Versprechen des Anbieters zu verlassen: „DSGVO-konform" auf der Website klingt beruhigend, ist aber kein verlässlicher Nachweis. Als Laie kannst du nicht jedes Detail rechtlich bewerten – aber du kannst ein paar klare Anhaltspunkte prüfen: Wo werden Daten verarbeitet (EU/EWR oder Drittland)? Bietet der Anbieter einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) an, den du wirklich abschließen kannst? Gibt es transparente Angaben zu Sicherheitsmaßnahmen (TOMs), ein korrektes Impressum und eine nachvollziehbare Datenschutzerklärung?
Entscheidend ist am Ende, ob du das Tool in deinem konkreten Setup rechtmäßig einsetzen kannst. Dazu gehört häufig (nicht immer), dass du einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO abschließt und dokumentierst. Was ein AVV ist und wann du ihn brauchst, erklären wir dir hier: onwalt.de/akademie/auftragsverarbeitungsvertrag-dsgvo.
Übermittlung der Daten in Drittländer
Ebenso heikel wird es, wenn Tools personenbezogene Daten in Drittländer übermitteln – gerade bei Anbietern mit Bezug zu den USA. Solche Datenübermittlungen sind nicht per se verboten, aber sie sind nur unter den Voraussetzungen der Art. 44 ff. DSGVO zulässig und müssen sauber bewertet und abgesichert werden. „Wird schon passen" ist hier keine tragfähige Strategie. Warum einige gern genutzte US-Amerikanische Tools unserer Auffassung nach heikel sind und welche Kriterien im Detail wichtig sind für eine DSGVO-konforme Nutzung kannst du hier nachlesen: onwalt.de/akademie/tools-dsgvo-konform.
Transparenz ist Pflicht – nicht Kür
Und zuletzt: Datenschutz ist nicht nur eine Frage von Technik oder Serverstandort. Selbst wenn ein Tool technisch ordentlich aufgestellt ist, musst du selbst deine Nutzer transparent informieren. Das heißt: Deine Datenschutzerklärung muss die eingesetzten Tools und die Datenverarbeitung verständlich abbilden – das folgt aus den Informationspflichten nach Art. 13 DSGVO. Übrigens: Wenn du Rechtstexte von onwalt.de beziehst, ist das ganz einfach. Wir fragen dich im Konfigurator alles ab und du bist auf der sicheren Seite.
Nächster Schritt
Überprüfe deine aktuell genutzten Tools und gleiche sie mit dieser Liste ab. Alles, was nicht passt, gehört ersetzt oder sauber nachgebessert.
Häufige Fragen
Sind diese Tools automatisch DSGVO-konform für mein Business?
Jein. Die Tools sind geeignet, aber du musst sie korrekt konfigurieren und rechtlich einbinden (AV-Vertrag, Datenschutzerklärung).
Brauche ich für jedes Tool einen AV-Vertrag?
Wenn personenbezogene Daten verarbeitet werden: ja (Art. 28 DSGVO). Für welche Tools du einen brauchst und für welche nicht, erklären wir dir hier.
Warum fehlen bekannte US-Tools?
Die Beliebtheit einer Lösung sagt leider gar nichts darüber aus, wie verantwortungsvoll sie mit Daten umgeht oder ob sie DSGVO/EU-Recht entspricht. Viele bekannte US-Tools sind rechtlich problematisch. Mehr dazu hier hier
Warum gibt es kaum kostenlose Tools in der Liste?
Kostenlos heißt oft: du zahlst mit Daten. Genau hier liegt das Risiko. Einige der von uns vorgeschlagenen Tools verfügen über kostenlose Basisversionen. Andere rufen einen kleinen angemessenen Monatsbetrag auf. Dafür bekommst du die Sicherheit, gesetzeskonform zu arbeiten.
>Wie halte ich meine Tool-Nutzung rechtssicher aktuell?
Prüfe die Tools, bevor du sie einsetzt, nenne sie in der Datenschutzerklärung, schließe einen AV-Vertrag ab, sofern notwendig und dokumentiere jede Datenverarbeitung in deinem Verarbeitungsverzeichnis.
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